Ganze 4,25 Prozent betrug der Leitzinssatz der EZB vom 03.07.2008 bis zum 08.10.2008. Seitdem hat die EZB – ausgelöst durch die auf die Realwirtschaft übergreifende Finanzkrise – in einer Serie von Zinssenkungen den Leitzinssatz für den Euro-Raum auf historisch niedrige 1,00 Prozent gesenkt.
Eine derartige Serie von Leitzinssenkungen bewirkt, dass sich die Geschäftsbanken für niedrigere Zinsen Geld von der EZB leihen können. Auf der anderen Seite bekommen sie für dort hinterlegtes Guthaben aber auch niedrigere Zinsen.
Infolge der günstigen Beschaffung von Zentralbankgeld weitet sich im Normalfall die von den Banken nachgefragte Kreditmenge aus. Die niedrigeren Zinsen werden an die Verbraucher weitergegeben, welche dann mehr günstige Kredite nachfragen. Diese erhöhte Kreditnachfrage führt zu Nachfragesteigerungen bei den Verbrauchern, welche ja nun mehr (wenngleich auch geliehenes) Geld in der Tasche haben, und damit zu einer Verstärkung der Binnennachfrage.
Gleichzeitig senken die Banken in einer solchen Niedrigzinsphase aber auch die Guthabenzinsen von Spar- und Termineinlagen. Ganz besonders wird dies derzeit an den Zinsen auf die allseits so beliebten Tagesgeldkonten sichtbar. Wie etwa der Tagesgeld-Zinsvergleich des Fachportals zeigt, können sich Anleger derzeit schon glücklich schätzen, wenn sie 2,50 bis 3,00 Prozent Zinsen pro Jahr erzielen. Vor Beginn des Zinssenkungszyklus waren noch Zinsen von 4,00 bis 5,00 Prozent pro Jahr drin.
Aktuell ist die Situation aber so, dass die Banken zwar die Guthabenzinsen senken, die Zinssätze für Verbraucherkredite aber nahezu unverändert bleiben bzw. teilweise sogar erhöht werden, wie es bei den so oft in Anspruch genommenen Dispositionskrediten beim Girokonto der Fall ist. Hier sind die durchschnittlich zu entrichtenden Zinssätze im letzten halben Jahr sogar gestiegen, wie aus aktuellen Statistiken hervorgeht.
Der Hintergrund dieser ungewöhnlichen und so von der EZB auch nicht bezweckten bzw. den Banken gegenüber sogar offen angemahnten Situation ist, dass die Geschäftsbanken nach ihren horrenden Abschreibungen und Wertberichtigungen seit Ausbruch der Finanzkrise durch höhere Zinsspannen zwischen gewährtem Guthaben- und vereinnahmtem Kreditzins versuchen, gesund zu stoßen. Darüber hinaus leihen sich die Banken untereinander immer noch zu wenig Geld, sondern deponieren es lieber zu Niedrigzinsen als Guthaben bei der EZB. Erst wenn sich diese Situation entspannt hat, werden wohl nicht nur die Guthaben- sondern auch die Kreditzinsen endlich spürbar sinken und sich der von der EZB bezweckte Effekt einer Nachfragesteigerung durch billiges Geld einstellen.
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