Zum Begriff des Web 2.0
Die Verwendung des Begriffs Web 2.0 entstand durch Tim O’Reilly und MediaLive International im Rahmen einer Brainstormingsession bei einer Konferenz. Man war sich einig, dass das „neue“ Netz so viele Möglichkeiten und Applikationen zu bieten hat und daher wichtiger denn je geworden ist. Neuerungen kamen erstaunlich schnell, was dem Ganzen noch zusätzlichen Wind verlieh. Dennoch gab es auch viel Unstimmigkeit gerade darüber, was die Bedeutung der Bezeichnung „Web 2.0“ eigentlich auf sich habe bzw. beinhalte.
Seit der Begriff des Web 2.0 zum ersten Mal geprägt wurde, wurden auch Stimmen gegen diese neue Entwicklungstendenz immer lauter. Zuviel ist heutzutage einfach schon über das Internet möglich und darin darf nicht nur das Positive gesehen werden. Was haben Menschen eigentlich vor 50 Jahren getan, als es noch kaum Computer und schon gar nicht so etwas wie unser World Wide Web heutzutage gegeben hat? Das Leben muss entsetzlich langweilig gewesen sein.
War es aber mit ziemlicher Sicherheit nicht. Zu jeder Zeit der menschlichen Existenz vermutlich war etwas am Entstehen, was in seiner Form völlig neu war. Solange es nicht völlig ausufert, ist dem auch absolut nichts entgegen zu setzen.
Das Web 2.0 und die neue Online-Persönlichkeit des Menschen
Doch sind die technologischen Entwicklungen rund um das Web 2.0 überhaupt noch überschaubar? So vieles ist heutzutage über das Internet möglich, so vieles davon auch noch völlig kostenfrei – wie ist das denn eigentlich möglich und ist das überhaupt gut so? Werden wir User nicht vollkommen mit allen Arten von Social Communities bombardiert? Und einmal im Ernst, wer nicht Mitglied auf Facebook ist, hat sowieso wenige Chancen, mit seinen Liebsten so Kontakt zu halten, wie es alle anderen machen. Denn wo hat man schon so viele Freunde wie auf Facebook? Mit ein paar Klicks hat man schnell das Neueste von allen erfahren und braucht nicht einmal selber nachzufragen. Ist doch unheimlich bequem? Wo liegt also das Problem?
Das Facebook-Profil ist praktisch schon Teil der eigenen Persönlichkeit und je nachdem, wie viel man darauf preisgibt, quasi ein Spiegel des eigenen Charakters bzw. der Person. So kann es aber auch passieren, dass sich andere zuerst einmal durch dein Facebook-Profil klicken, um herauszufinden, wer du „wirklich“ bist und danach entscheiden, dich kennen zu lernen. Leicht komisch, oder? So kann es aber genau auch der zukünftige Chef sein, der das Profil eines Bewerbers für eine freie Stelle ausfindig macht – und eventuell gefällt ihm nicht, was er da an Partyfotos und dergleichen vorfindet. Alles, was augenscheinlich so viele Vorteile mit sich bringt, kann mindestens genauso viele negative Seiten haben.
Die ganze Welt in einem Netz
Natürlich erlaubt es einem das Internet, mit Menschen aus der ganzen Welt und über immense Entfernungen Kontakt zu halten – und das ist ja auch gut so – aber gleichzeitig kann es eben auch passieren, dass dies Leute tun, die sich in mehr oder weniger in nebeneinander liegenden Zimmern befinden. Überspitzt formuliert ist das vielleicht, aber die nunmehr alltägliche Bequemlichkeit kann auch soziale Defizite im direkten Umgang miteinander zur Folge haben.
How the hell is all this gonna work?
Legen wir einmal all die sozialen Aspekte ein wenig beiseite. Für uns auch sehr interessant und weit mehr dem Titel dieser Abhandlung entsprechend ist doch vielmehr die Frage, wie in aller Welt das Web 2.0 all seine Angebote über die nächsten Jahre finanzieren soll, wenn die jetzige Entwicklung so anhält oder gar noch weiter ansteigt (und die Tendenz ist mit ziemlicher Sicherheit steigend).
Eines ist klar: Werbung kann nicht alle Kosten tragen. Zudem wird ein großes Maß an Werbung auf Websites von vielen Usern als störend empfunden und eingeschlichene Werbung erfreut sich da keiner größeren Beliebtheit.
Täglich wird es mehr – wo liegt die Grenze? Ist auch das Unmögliche möglich?
Mit der Weiterentwicklung des Web 1.0 in das Web 2.0 hat sich nicht nur der Stand der Technik um ein Vielfaches gewandelt, sondern auch das Bild der bevorzugten User: heutzutage spricht das Internet wesentlich breitere Benutzergruppen an als noch vor wenigen Jahren. Da ist klar, dass man sich eigentlich jeden Tag mehr erwarten kann. Neue Features, neue Services, neue spannende Seiten und Plattformen etc. – der Hype scheint nicht enden vollend zu sein. Doch irgendwo muss eine Grenze gesetzt werden, sonst droht das Ganze irgendwann einmal einzustürzen. Auch ein Haus kann nicht unendlich in die Höhe gebaut werden, irgendwann einmal kippt es.
Das Web 2.0 wird sich vermutlich irgendwann mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass die Geldeinnahmen weniger werden – die User sind es immerhin gewohnt, dass mittlerweile mehr und mehr Dienste online gratis zur Verfügung gestellt werden, man kann also nicht plötzlich beginnen, für bereits kostenlos Vorhandenes auf einmal Geld zu verlangen. Da würden dann sehr viele einfach abspringen und wieder zu ihren alten gewöhnlichen Mitteln der Kommunikation zurückgreifen. Zudem ist die Zahl der User auf Plattformen wie StudiVZ oder Facebook auch kein Erfolgsgarant, sondern erzeugt vielmehr Druck, die bisherigen Standards sowie die Soft- und Hardware dahinter aufrecht zu erhalten bzw. weiter auszubauen. Schließlich muss auch die Technik mit einer so großen Anzahl an Benutzern Schritt halten können (und das wiederum muss ebenfalls finanziert werden).
Woher das Geld bisher kam
Werbung.
Viele der im Rahmen des Web 2.0 aufkommenden Start-ups haben von vornherein Werbung als einzige Einnahmequelle einkalkuliert und stellen ihren Usern – ohne dabei zu wissen, wie viele das überhaupt genau werden – sämtliche Dienste von Anfang an gratis zur Verfügung. Garantie, mit den Werbeeinnahmen alle anfallenden Kosten decken und darüber hinaus noch ein wenig Gewinn produzieren zu können, gibt es keine. Kein Wunder, dass da Stimmen der Kritik immer lauter werden. Denn was passiert, wenn irgendwann durch die Werbung viel zu geringe Einnahmen erzielt werden. Was passiert dann weiter, v.a. mit den Köpfen, die hinter der Entwicklung der Plattform oder Community stehen?
Woher das Geld in Zukunft kommen soll
Werbung.
Freilich gab und gibt es Portale, die für Premium-Dienste Geld verlangen (was auch von bereitwilligen Usern, die darin einen Nutzen sehen oder andernfalls Angst haben, etwas zu verpassen, durchaus bezahlt wird) doch die breite Masse an Online-Plattformen und Communities steht kostenlos zur Verfügung. Das große Angebot an (Gratis-) Möglichkeiten senkt zudem die Bereitschaft, Geld dafür auszugeben. Somit wird es wohl die gute alte Werbung bleiben, die solcherlei Späße finanziert. Wenn das mal lange gut geht …
Interessante Foren-Beiträge zum Thema Finanzierung von Online-Plattformen und Gedanken dazu finden Sie hier: http://www.ayom.com/topic-27235.html
Datenschutz, Datenschutz, …
„Datenschutz bezeichnet den Schutz personenbezogener Daten vor Missbrauch.“ Diese Definition stammt von Wikipedia [2010-01-18], einem der vielen und vermutlich eines der besten Beispielen an kostenlosen Diensten im Internet, die von Millionen von Menschen genutzt werden und die für viele nicht mehr wegzudenken wären. Wie viele wären aber tatsächlich bereit, dafür Geld auszugeben?
Ein weiterer heikler Punkt hinsichtlich der unzähligen Möglichkeiten, sich online zu präsentieren, ist der Datenschutz. Bereits früh, mit dem Entstehen erster sozialer Plattformen, auf denen User Informationen über sich bereitstellen und sich dadurch der Öffentlichkeit zugänglich machen konnten, kam diese Debatte auf den Tisch.
Sensible Daten, also solche, die besonderen Schutz erfordern, sind beispielsweise Angaben zur rassischen und ethnischen Herkunft, der politischen Gesinnung, zu religiösen Ansichten, der Gesundheit oder dem Sexualleben. All das findet man auf unzähligen Online-Plattformen zuhauf und die Daten werden von den betreffenden Personen selbst ohne ein Augenzwinkern geteilt. Da wird die Frage des Datenschutzes bzw. des vertrauensvollen Umgehens mit empfindlichen Informationen schwieriger, denn die Benutzer sind sich der Öffentlichkeit ihrer Daten zumeist vollends bewusst und wollen das oft auch so. Je nach Zweck, den man mit einem Online-Profil verfolgt, ist das Bereitstellen von Informationen über einen selbst ja Inhalt der Mission. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts des Datenschutzes beinhaltet schließlich auch, dass Menschen selbst entscheiden, wie viel sie von sich preisgeben. Da wird es eben schwer, jemanden für verantwortlich zu erklären, wenn es die User selbst sind, die ihre Informationen wissentlich der ganzen Welt zugänglich machen.
Doch sollte man sich stets dessen bewusst sein – einmal online gestellt, ist es schwierig bis fast unmöglich, Daten wieder vollständig aus dem Internet zu verbannen. Geben Sie daher nicht zu leichtsinnig zu viele private Daten von sich preis! Diese könnten auch gegen Sie verwendet werden. Begriffe wie Cyber Stalking/Mobbing, Spam etc. sind nur einige der vielen Gefahren, die vom Internet und seiner Handhabung von Daten ausgeht. Auch für potenzielle Kriminelle ist es nun wesentlich leichter, an notwendige Informationen zu gelangen, eben weil diese völlig „legal“ ohnehin in den Weiten des Internets zu finden sind.
Interessante Links zum Thema Datenschutz und Datenschutz im Internet:
http://www.saferinternet.at/themen/datenschutz/#c721
Weiterführende Links bzw. Quellenangaben:
Artikel von Tim O’Reilly zum Web 2.0 http://oreilly.com/pub/a/web2/archive/what-is-web-20.html?page=1
Kritische Stimmen zum Web 2.0 http://www.marketing-boerse.de/News/details/Kritik-am-Web-20-wird-immer-lauter/2719%20
Weitere interessante Gedanken zum Web 2.0 http://sommergut.de/wp/archives/web-20-der-triumph-der-amateure/
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