Uni brennt: Der Ärger der Studenten entlädt sich in einer landesweiten Protestaktion
Im Auditorium Maximum der Universität Wien hat alles begonnen und sich wie ein Lauffeuer durch ganz Österreich verbreitetet: Der Protest der Studierenden gegen die aktuelle Bildungspolitik und die Aussicht, dass demnächst möglicherweise wieder Studiengebühren eingeführt werden. Treffender als mit “Uni brennt” hätten die Initiatoren die Aktionen nicht betiteln können. Denn es ”brennt” tatsächlich in der Alpenrepublik zumindest im Hinblick auf die Situation an den Universitäten.
Die Studienbedingungen werden als äußerst schlecht empfunden. Sogar von Notstand ist die Rede. Wer an einer Einführungsveranstaltung teilnehmen möchte, muss damit rechnen, nicht im Hörsaal, sondern vor eine Leinwand zu sitzen, weil nicht genug Platz vorhanden ist. Hält man es bis zu den ersten Prüfungen durch, kommt es ganz dicke. Sie werden als “Knock-out-Prüfungen” bezeichnet, weil viele schlichtweg daran scheitern. Inoffiziell sollen sie als ”Filter” dienen.
Wesentlich besser geht es auch den Dozenten und Assistenten nicht. Sie müssen sich Jahr für Jahr neu darum bemühen, dass ihr Vertrag verlängert wird. Keine gute Ausgangssituation, um eine solide Bildung zu ermöglichen insbesondere, wenn die Universitäten zunehmend privatwirtschaftlich organisiert werden. Dass nun auch die Studiengebühren wieder in die Diskussion kommen, hat das Fass zum überlaufen gebracht.
Die Studenten wehren sich. Die Besetzung in Wien war nur der Anfang. Nach und nach schlossen sich immer mehr Studierende aus anderen Städten und von anderen Hochschulen an. Mit dabei sind unter anderem Linz und Graz. Das Epizentrum der Protestwelle liegt aber ganz klar in Wien. Die TAZ bezeichnet das Audimax als Mobilisierungs- und Veranstaltungsort, in dem selbst Prominente aus Kultur und Politik sich auf die Seite der Studierenden stellen. Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald erklärte gegenüber der TAZ: “Die Besetzung des Audi-Max an der Universität Wien ist ein klares Zeichen der Frustration der Studierenden mit der Universitätspolitik der Regierung. Studierende und ForscherInnen brauchen Raum, Zeit und Geld, das in Österreich nicht ausreichend vorhanden ist.”
Die Forderungen der Studenten sind daher recht klar definiert: Sie wollen Bildung statt Ausbildung, einen freien Hochschulzugang, die Demokratisierung und Ausfinanzierung der Universitäten, die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes, eine 50prozentige Frauenquote und das Ende der prekären Dienstverhältnisse. Dass die Aktion ”Uni brennt” kein kleines Strohfeuer ist, hat sich am 29. Oktober, rund eine Woche nach Start der Proteste, mehr als deutlich gezeigt: 40.000 Studierende sind auf die Straße gegangen um ihren Forderungen Nach- und Ausdruck zu verleihen. Das Motto lautete: ”Mehr Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne”. Auf den Transparenten war unter anderem zu lesen “Schluss mit der Unterfinanzierung, Wettbewerbslogik und Elitenbildung”. “Wir sind überwältigt, wie viele Menschen dem Aufruf gefolgt sind und mit welchem Elan sich Tausende für freie Bildung, die ohne ökonomischen Druck ermöglicht werden muss, eingesetzt haben”, so die Initiatoren gegenüber dem ORF.
Chronologie der Studentenproteste in Österreich
21. Oktober:
Besetzung der Akademie der bildenden Künste.
22. Oktober:
12:00 Uhr: 400 Studierende der Uni Wien treffen sich im Siegmund Freud Park, um zu demonstrieren.
12:30 Uhr: Die Demonstration erreicht den Audimax.
13:00 Uhr: Studierende besetzen den Audimax der Universität Wien. Beteiligt sind alle Studienrichtungen. Die Besetzung wird zu diesem Zeitpunkt noch als Höhepunkt der universitätsübergreifenden Protestaktion gegen die UG-Novelle 09 bezeichnet. Plakate und Transparente werden aufgehängt.
14:30 Uhr: Ein privater Sicherheitsdienst versucht, den Zugang zum Audimax zu versperren.
16:30 Uhr: Feueralarm vermutlich ausgelöst durch Zigarettenrauch.
17:00 Uhr: Die Polizei zieht ab. Im Anschluss findet das erste Plenum statt.
21:10 Uhr: Konzert im Audimax
22:20 Uhr: Die TU kündigt an, ab Mitte nächster Woche zu streiken
23. Oktober
01:45 Uhr: Auf Facebook wird berichtet, dass die Security drei Schlafsäle räumt.
12:00 Uhr: Kundgebung vor der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz.
14:00 Uhr: Vorklinik der Uni Graz wird besetzt.
15:00 Uhr: Demo ab Uni Wien.
18:00 Uhr: Der Audimax füllt sich wieder für das nächste Plenum.
18:50 Uhr: Erste Meldungen darüber, dass Hahn nicht länger Wissenschaftsminister bleiben, sondern EU-Kommissar werden soll.
19:20 Uhr: Forderung von der AG-Uni-Wien die Proteste zu beenden.
19:30 Uhr: Erste Pressekonferenz der Organisatoren.
24. Oktober:
11:00 Uhr: Plenarsitzung mit Planung des Programms für den Tag in Wien.
11:00 Uhr: Plenum an der Uni Graz.
15:30 Uhr: Auch in Innsbruck formieren sich die Studierenden und planen eine Demonstration für Donnerstag.
16:00 Uhr: Die Studenten in Wien präsentieren eine überarbeitete Fassung ihrer Forderungen.
16:00 Uhr: Die Forderungen werden auf freiebildung.at dargestellt.
16:45 Uhr: TU Wien beteiligt sich an den Protestaktionen. Der Standard schreibt, es brenne auch an der TU.
19:00 Uhr: Plenum, bei dem es unter anderem um die Darstellung nach außen hin geht, Vandalismus soll verhindert werden.
20:00 Uhr: Die Essensvorräte der Volxküche reichen für zwei Tage.
21:00 Uhr: Die Gruppe ”Verstand mit Widerstand” spricht zum Thema ”Jedem Bürger sein Bildungskonto”.
ÖH Innsbruck solidarisiert sich mit Wien, hält die Vorgehensweise aber für fragwürdig.
25. Oktober:
11:00 Uhr: Plenum zur Politisierung und Digitalisierung in Wien.
11:30 Uhr: Plenum der Studenten, die an der Uni Graz protestieren.
15:00 Uhr: Vortrag im Audimax von Prof. Alex Callinicos zum Bildungssystem in Großbritannien.
20:00 Uhr: Weiteres Plenum, das beschließt, die Besetzung des Audimax aufrecht zu erhalten.
26. Oktober:
11:00 Uhr: Im Audimax herrscht noch Ruhe, lediglich ein Fotograf macht Bilder.
11:30 Uhr: Plenum.
14:30 Uhr. Die Salzburger Studenten wollen sich am Protest beteiligen und formieren sich um 17 Uhr zu einem ersten Vorbereitungstreffen.
17:00 Uhr: Attac-Österreich Mitbegründer Christian Felber referiert im Audimax.
18:20 Uhr: Party im Audimax.
27. Oktober:
9:30 Uhr: Versammlung an der Universität Linz.
12:00 Uhr: Protestkundgebung im Hörsaal I der Universitär Klagenfurt.
13:30 Uhr: Der Vizedirektor für Forschung und Lehre spricht in Graz.
13:50 Uhr: Der Hörsaal C1 in Linz wird besetzt.
15:00 Uhr: Der Hörsaal C1 der zweitgrößte der Universität Wien wird blockiert.
16:30 Uhr: Auch die Lehrenden und Mitarbeiter der Universität Klagenfurt solidarisieren sich mit den Studenten.
19:00 Uhr: Die Blockierung vom C1 in Wien wird aufgehoben.
19:00 Uhr: TU Wien soll besetzt bleiben.
22:00 Uhr: Plenum an der TU Wien.
28. Oktober:
11:45 Uhr: Uni-Situation soll Chef-Sache werden, fordern die Grünen.
15:00 Uhr: Demo in Salzburg vor dem Institutshaus für Gesellschaftswissenschaften
17:00 Uhr: Demonstration in Wien mit weit über 10.000 Teilnehmern.
17:00 Uhr: Auch an der Uni Klagenfurt werden Protestaktionen geplant
Der C1 wird erneut besetzt.
29. Oktober:
11:20 Uhr: Im C1 in Wien soll ebenfalls eine Volksküche aufgebaut werden.
11:50 Uhr: Solidaritätsbekundung seitens des Burgenländischen Landtages.
13:00 Uhr: Demonstrationszug durch Innsbruck von der Hauptuni Richtung SoWi. Die ÖH distanziert sich von dieser Aktion.
13:05 Uhr: Der Protest der Metallgewerkschaft soll mit einer Delegation unterstützt werden.
14:00 Uhr: Ideologie-Diskussion im Audimax.
14:25 Uhr: Aula der SOWI-Fakultät in Innsbruck wird ebenfalls besetzt.
Der Streik an den Universitäten hat ein enormes Medienecho hervorgerufen. Hier eine kleine Übersicht zu Stimmen, Meinungen und Berichten rund um ”Uni brennt”:
Im Diskussionsarchiv zur UG2002-Novelle wird Cengiz Kulac, ÖH an der Uni Graz, zitiert. Er beschreibt “Uni brennt” als Zorn gegenüber einem Bildungssystem, in dem immer mehr gezahlt, gleichzeitig aber die Situation immer prekärer werde. Aus dem Grund werde auch in Graz ein Hörsaal besetzt und würden weiter Maßnahmen geplant bis hin zu Sitzstreiks.
In Graz haben bis zu 150 Personen die Vorklinik besetzt und Forderungen erarbeitet. Sie sagen “Nein” zu den Studiengebühren, wollen mehr Lehrveranstaltungen und eine bessere Vernetzung.
“Es handelt sich immer noch um eine Besetzung, ich möchte diesen Unrechtszustand nicht durch meine Anwesenheit in irgend einer Weise legitimieren”, sagt Noch-Wissenschaftsminister Hahn. Er weigert sich, mit den Studierenden zu sprechen und bezeichnet sie gegenüber der Kleinen Zeitung als irgendwelche Studentengruppen. Freunde macht er sich damit nicht. Wenn, spreche er nur mit der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) als legitime Vertretung der Studenten.
Die Grüne Jugend zeigt sich solidarisch mit den Studierenden. Sie formulierte einen klaren Aufruf, sich an den Aktionen zu beteiligen und nennt als Forderungen unter anderem freie Masterzugänge und die Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren.
Klaus Werner Lobo erinnert sich angesichts der aktuellen Proteste an seine Zeit als Student. 1987, als er zur Uni ging, sei gerade der ”heiße Herbst” angefangen. Damals habe man gegen Sparpakete und für mehr studentische Mitbestimmung protestiert. Er empfand die Aktionen im Vergleich zu heute jedoch eher gemütlich. Lobo steht klar hinter den Studenten: “Die Uni brennt, weil wir für Uni brennen”, lautet der Titel seines Blogbeitrags.
Dass eine Aktion wie ”Uni brennt” nicht nur von lokalen Medien aufgegriffen wird, versteht sich von selbst. Oe24.at listet eine Reihe von Videos und Internetseiten auf, auf denen über die Studentenproteste berichtet wird. Daran zeige sich, dass der Kampf sich zunehmend auch ins Netz verlagere und über Plattformen wie Twitter verbreite.
Dass es sich um einen studentischen Protest handelt und nicht um eine Aktion der ÖH, machen die Besetzer der Uni Linz in einer Stellungnahme deutlich, die gleich von mehreren Medien veröffentlicht wurde. Darin heißt es unter anderem, dass die Dauer der Besetzung noch nicht feststehe.
Im Internet kursieren bereits dutzende Videos, die das Engagement der Studierenden in Wort und Bild präsentieren. Dabei zeigen die Nutzer in den Kommentaren durchaus Sympathie mit den ”Besetzern”. Allerdings gibt es auch eine Reihe eher kritischer Stimmen zu ”Uni brennt”.
Auf meinvz sagen fast 5.000 Nutzer, dass sie “Uni brennt” gut finden. Auf den Seiten werden aktuelle Informationen rund um die Aktion zusammengefasst und präsentiert. Dazu gib es eine Reihe von Fotos zu den einzelnen Protestaktionen.
Die Art und Weise, wie die Proteste organisiert werden eben nicht von den zentralen Strukturen wie der Hochschülerschaft wird im privaten Blog von Helge Fahrnberger unter die Lupe genommen und passend mit Die Uni brennt nach Ameisenart betitelt und von scoop.at, Österreichs Community-Zeitung, aufgenommen.
Videos zu den Aktionen, Pressegesprächen und Forderungen gibt es auch auf wientv.org. Die Seite berichtet aktuell über sämtliche Entwicklungen, präsentiert Interviews, gibt Einblicke hinter die Kulissen und zeigt, was andere zu ”Uni brennt” zu sagen haben, unter anderem Attac-Mitbegründer Christian Felber.
Auch in der Schweiz werden die Bemühungen der österreichischen Studenten um bessere Bedingungen an den Universitäten mit Interesse verfolgt.
Zeit im Blog nennt die Proteste erfrischender als die alltägliche Langeweile und spricht von klaren Ansagen, mit denen sich die Studierenden den Älteren widersetzten. Zugetraut hätte man den “Partysanen” nur eine Nacht, mittlerweile beeindruckten sie mit ihren virtuellen Sprachrohren.
Um auch online diskutieren zu können, wurde auf unibrennt.at ein Forum eingerichtet, in dem zu einigen Threads bereits dutzende Postings vorhanden sind. Genutzt wird das Forum unter anderem, um auf Aktionen aufmerksam zu machen.
Dass es bei den Protesten auch um die Solidarität unter den Studierenden in Österreich, Deutschland und der ganzen Welt geht und die Aktionen sich nicht gegen deutsche Studenten in Österreich wenden, macht grauzone deutlich.
Selbstverständlich werden die Forderungen nicht von allen Seiten unterstützt, sondern ernten durchaus auch Kritik. So wundert es nicht, dass von “Spuk” die Rede ist, von einem Schaden für die Bevölkerung und die Steuerzahler sowie eine “Entwertung der universitären Abschlüsse”. Befürchtet wird, dass die Universitäten in Österreich nicht länger konkurrenzfähig bleiben.
Eine Chronologie, wie alles begann, gibt es auf heimfest.at. Zusätzlich zu den Informationen gibt es eine Reihe von Fotos sowie Videos, die zeigen, wie “Uni brennt” seinen Anfang nahm. Die Bilder machen deutlich, dass es sich nicht um eine kleine Aktion handelt, sondern weit über 1.000 Studierende sich beteiligen.
Einen sehr ausführlichen Beitrag, der alle Seiten beleuchtet die Position der Studenten, der Politik und der Universitäten bietet Heise. Rainer Sommer sieht es als eher fraglich an, dass die Ziele allesamt erreicht werden können, schließlich gehe es im Grunde genommen um ein “Ende der neoliberalen Bildungspolitik”.
Im Blog “Freie Bildung” aus Österreich werden sämtliche Aktionen beschrieben, Termine benannt und zur Solidarität aufgerufen. Das Echo auf dieses Blog ist enorm, wie die Vielzahl an Kommentaren zu den einzelnen Beiträgen beweist.
Als offizielle Seite der Protestaktion versteht sich unibrennt.at. Sie informiert über so ziemlich alles, was im Zusammenhang mit Uni brennt passiert, angefangen bei Hinweisen auf deutsche Universitäten, die sich solidarisch zeigen, über einen Pressespiegel bis hin zu Plenumssitzungen.
Auch ausländische Studenten, die eine österreichische Universität besuchen in diesem Fall die Uni Graz sind aktiv, wenn es darum geht, bessere Bedingungen zu schaffen. Sie tragen über ihre eigenen Blogs die Gedanken in die gesamte Welt. Wie die Reaktionen zeigen, stehen die Menschen nicht nur in Europa hinter den Forderungen der Studierenden.
Zur Solidarität mit den Studenten und für ein besseres Bildungssystem rufen sehr viele private Blogs auf. Sie berichten zwar nicht ausführlich, weisen aber auf die Forderungen hin, verlinken auf Videos, Fotos, offizielle Seiten und andere Blogs. Das beweist, wie gut die Vernetzung im Internet inzwischen funktioniert worauf auch Georg Holzer auf seiner Seite eingeht.
Für Außenstehende ist es relativ schwer, die Stimmung unter den Studierenden zu erspüren. Leichter machen es Beiträge, in denen Studenten über ihre Erfahrungen schreiben und wie sie die Besetzung des Audimax und andere Aktionen bewerten. Chirio schreibt zum Beispiel “es ist wirklich eine fantastische Stimmung”.
Zu den Gruppen, die sich auf die Seite der Studierenden in Österreich stellen, gehört auch das Bündnis gegen den Rechtsruck. Hier bewertet man die Besetzungen und Demonstrationen als ermutigend und die Forderungen als sinnvoll und vernünftig .
Wer sich über aktuelle Termine von Uni brennt informieren möchte, inklusive Workshops, Lesungen, Demonstrationen und Plenun, findet im Wiki von unibrennt.at alle wichtigen Daten und Orte. Darüber hinaus bietet das Portal aktuelle Presseinformationen und eine Übersicht zu den Arbeitsgruppen.
Die Salzburger Nachrichten berichten wie viele andere Zeitungen aus Österreich über Uni brennt und konzentriert sich dabei nicht ausschließlich auf die Ereignisse, sondern auch darauf, wie sie verbreitet werden. Dank Facebook und Twitter funktioniert die Vernetzung der Studenten besser denn je , heißt es dort.
Studentprotestes 2.0 titelt Der Standard und bezieht sich damit auf die zunehmende Online-Vernetzung der Studenten. Sie reiche bis hin zum Aufruf, sich mehr am Putzdienst zu beteiligen, oder Kartoffeln oder Nudeln für die Küche zu bringen. Die Proteste finden heute nicht nur in den besetzten Hörsälen und auf der Straße, sondern auch online statt und sorgten so für maximale Erreichbarkeit bei minimalem Aufwand .
“Die zerstören mehr, als sie weiterbringen”, zitiert Die Presse einen Studenten, der keinerlei Verständnis für die Proteste und die Besetzung der Hörsäle hat. Damit steht er offensichtlich nicht alleine dar. Viele würden lieber in Ruhe ihrem Studium nachgehen, statt in Ausweich-Hörsälen zu frieren.
Zu Wort kommen im Rahmen der Berichterstattung zu Uni brennt nicht nur Studierende, sondern auch Politiker. Besonders interessiert sind die Medien an der Sichtweise von Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Vienna Online interviewte den scheidenden Minister, der zwar zugab, dass er als Student selbst einen Blick in den Audimax in Wien geworfen hätte, die aktuellen Forderungen aber für überzogen hält.
Aus Unmut sei inzwischen eine echte Protestbewegung geworden, erklärt der Tagesspiegel. Er listet auf, was die Studenten wollen und wie es dazu kam, dass aus einer einfachen Demonstration eine landesweit Aktion werden konnte.
Nachdem die Welle von Wien aus beinahe über das ganze Land geschwappt ist und Salzburg erreicht hat, zeichnen die Salzburger Nachrichten auf, wie es zur Besetzung des Hörsaals 381 der Geisteswissenschaftlichen Universität gekommen ist. Einer der Redakteure war im Hörsaal und hat via Twitter topaktuell darüber berichtet, was vor Ort passiert.
Die Linke Zeitung aus Deutschland hat Roman Birke, ein Mitglied der Liga für die sozialistische Revolution, zu den Aktionen in Wien befragt. Der Aktivist erklärt die Zusammenhänge, die Forderungen und vor allem wie die Proteste der Studenten organisiert werden.
Dass die Besetzung der Hörsäle an einigen Universitäten in Österreich längst auch virtuell mit großem Interesse verfolgt wird, machen die TechNews deutlich. Über Twitter, Facebook und andere Portale würden sämtliche Neuigkeiten in Echtzeit an die Anhänger der Aktionen übermittelt. Alleine auf der offiziellen Seite gebe es fünf Livestreams.
Die deutschen Medien, wie der Kölner Stadt Anzeiger, verfolgen die Proteste zwar nicht so intensiv wie ihre österreichischen Kollegen, beleuchten die Szenerie allerdings auch von mehreren Seiten. So informiert die Zeitung aus Köln unter anderem darüber, wie die Universitäten angesichts der Proteste den Lehrbetrieb aufrechterhalten zu können.
Wie es dazu kam, dass nach Wien auch in anderen Städten die Hörsäle besetzt wurden, hat krone.at recherchiert und zeigt auf, welche Aktionen in Linz, Graz und Klagenfurt vorausgegangen waren. Deutlich wird hierbei, wie groß das Interesse an den Veranstaltungen ist. Dort, wo eigentlich 200 Menschen Platz haben, drängten sich zum Teil deutlich mehr als 400 Personen.
Vorarlberg Online lobt zwar die Aktualität, mit der sich die Organisatoren online mitteilen und um eine perfekte Vernetzung bemühen. Das Magazin sieht allerdings auch einige Schwächen. Teilweise gehe es bei den Aktionen drunter und drüber.
Dass es bei Aktionen, an denen weit über tausend Menschen beteiligt sind, nicht immer rund laufen kann, sondern auch zu Schäden kommt, darauf weist der Kurier hin. Bislang seien alleine in Wien Kosten von über 100.000 Euro verursacht worden, unter anderem für die Security. Nach einem feuchtfröhlichen Auftakt verbunden mit Vandalismus sei die Partystimmung inzwischen verflogen.
Das Blog “Österreichwatch” nutzt die Gelegenheit, die Aktionen rund um Uni brennt auch einmal aus dem Blickwinkel der Satire zu betrachten und bemüht dazu historische Persönlichkeiten.
Was in einigen Universitätsstädten Österreich mit einer Art Flashmob begann, gleicht laut dem Studienblog digiom inzwischen einer “kollektiven Organisation in Realtime”. Die Livestreams würden nicht mehr nur von wenigen hundert, sondern von tausenden Menschen mit Interesse verfolgt. Dabei betonen die Autoren vor allem, wie gut der Protest samt Forderungen inzwischen strukturiert ist.
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Gestern haben wir Köln lahmgelegt! Aktuell einer der grössten NRW Bildungstreik von Schülern und Studenten. Gibt es eigentlich Kooperationen zwischen deutschen und euren Unis? Betrifft uns ja irgendwie alle gleich!
Grüße vom Rhein
Frank
Direkte Kooperationen soweit ich weiß nicht; gleiche Argumentationen/Meinungen ziemlich sicher.